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Ölpreisprognose & Faktoren Ölpreisentwicklung

Anfang des Jahres 2008 konnte der Ölpreis das erste Mal in der Geschichte die magische Marke von 100 US-Dollar knacken, -am 11. Juli 2008 markierte der Preis für Rohöl der Sorte WTI* dann sogar mit 147,27 US-Dollar auf einem absoluten Allzeithoch. Im Anschluss folgte eine umfangreiche Abwertung des begehrten Rohstoffs mit einem deutlich günstigeren Preisniveau als Folge. Für das laufende Jahr 2010 prognostizieren einige Experten nun wieder steigende Preise mit einem ähnlich turbulenten Verlauf.

Experten aus der Ölbranche und Analysten von renommierten Finanzinstituten schließen sogar eine Rückkehr zu historischen Rekordpreisen von ca. 150 Dollar pro Barrel nicht mehr aus, so zuletzt auch Fatih Birol, der Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur (IEA), gegenüber dem Handelsblatt. Als Grund für den möglichen Preisanstieg werden ein Rückgang der Investitionen in neue Öl- und Gasfelder sowie fehlende Modernisierungen von maroden Produktionsstandorten genannt.

Gemäß Berechnungen der IEA sanken die Investitionen der Ölindustrie in 2009 um rund 20 Prozent. Somit könnte eine Wiederbelebung des Anstiegs der weltweiten Nachfrage nach Öl insgesamt zu einem Nachfrageüberhang mit steigenden Preisen führen. Eine stark anziehende Nachfrage aus China, Indien und Co. hatte u.a. auch den Rekordpreis im Juli 2008 mit zu verantworten. Aufgrund der kurz darauf folgenden Weltwirtschaftskrise verringerte sich nach Schätzungen der IEA die weltweite Ölnachfrage um täglich 1,3 Mio. Barrel auf insgesamt durchschnittlich 84,9 Mio. Barrel pro Tag. In 2010 prognostiziert die Energieagentur, die die Interessen der großen Energieverbraucher vertritt, einen Anstieg der Nachfrage um 1,57 Mio. Barrel pro Tag. Nach Ansicht der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) wird das Plus nur in etwa halb so groß ausfallen,- mit ca. 810.000 Barrel pro Tag würde aber auch hier das zur Verfügung stehende Angebot an Rohöl nicht ausreichen.

 

Viele "Ölpreis-Experten" überbieten sich heutzutage gegenseitig mit ihren Prognosen und liegen am Ende dann auch noch oftmals daneben. Als Endverbraucher und/oder Laie steht man auf der anderen Seite nur staunend vor all den Zahlen und stellt sich die Frage, was man nun glauben soll und was nicht. Der folgende Inhalt soll Ihnen als Leser einen Überblick über zusammengetragenen Ölpreisprognosen und fundamentale Rahmendaten bieten. Vielleicht hilft Ihnen hier die eine oder andere Aussage für Ihre eigene persönliche Kaufentscheidung von z.B. Heizöl.

 

Eine Auswahl von Ölpreisprognosen

-Die ehemalige Investmentbank Goldman Sachs prognostiziert für das dritte Quartal 2010 einen signifikanten Mangel an Rohöl auf dem Weltmarkt. Als Grund gaben die Analysten Currie und Greely fehlende Investitionen seitens der Ölindustrie in den letzten drei Jahren sowie eine Erholung der Nachfrage nach Öl aufgrund der einsetzenden Konjunkturbelebung auf "Vorkrisenstandsniveau" an. Zuletzt hatte die Bank im Dezember 2009 ihre viel beachtete Ölpreisprognose für 2010 auf durchschnittlich 90 US-Dollar je Barrel gefolgt von 110 US-Dollar je Barrel für 2011 angehoben.

 

-Die Experten aus dem Hause Morgan Stanley hoben ebenfalls Ende des letzten Jahres ihr Kursziel für 2010 bis 2012 auf durchschnittlich 105 US-Dollar je Barrel an. Begründet wurde die Korrektur unter Angabe der gleichen Gründe wie bei Goldman Sachs,- einem Nachfrageüberhang an Öl.


-Analyst Paul Sankey aus dem Hause der Deutschen Bank prognostizierte im vergangenen Januar einen Ölpreis von durchschnittlich 65 US-Dollar je Barrel für das Jahr 2010.

-Analystin Sintje Diek von der Hamburger HSH-Bank erwartet für das zweite Quartal einen Ölpreis von 75 US-Dollar gefolgt von 80 und 85 US-Dollar je Barrel für das dritte und letzte Quartal in 2010.

-Analysten aus dem Hause UBS korrigierten an Weihnachten 2009 ihre hauseigene Ölpreisprognose und prognostizieren für das Jahr 2010 einen Ölpreis in einer Range von 65 bis 85 US-Dollar je Barrel der Sorte WTI.

-Analyst Francisco Blanch aus dem Hause Merrill Lynch hält in 2010 einen durchschnittlichen Ölpreis von rund 100 US-Dollar je Barrel für wahrscheinlich. Blanchs Meinung wird von anderen Analysten übrigens sehr geschätzt und wird deshalb sogar als "Ölguru" bezeichnet, da er das Rekordhoch aus Juli 2008 nahezu exakt vorhersagte.

 

Verhältnis der Ölpreisentwicklung zu Heizölpreisen
Fallende Rohölpreise bedeuten übrigens auch nicht immer gleichzeitig fallende Heizölpreise im Euroraum. Sinkende Notierungen für Rohöl stehen in der Regel im Einklang mit einem steigenden US-Dollar bzw. (siehe Chart) einem fallenden Eurokurs. Da Rohöl an den internationalen Rohstoffmärkten in US-Dollar gehandelt wird, bewirken sinkende Rohölpreise somit nur teilweise einen günstigeren Heizölpreis. Ein fallender US-Dollarkurs sorgt andersherum für einen günstigen Wechselkurs in "Nicht-US-Dollar-Ländern" und somit zu einer höheren Nachfrage nach "günstigerem" Öl, was wiederum in der Folge zu steigenden Ölpreisnotierungen führt. Spekulanten nutzen den Rohstoff Öl oftmals als Hedge (Sicherungsgeschäft), um sich vor Währungsverluste des US-Dollars und möglichen Inflationsgefahren in den USA zu schützen. Daher stehen kräftige Kursverluste des US- Dollars gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung traditionell im Einklang mit steigenden Ölpreisnotierungen.

Kursverhältnis von Rohöl (WTI) und dem  US-Dollar

Fundamentale Rahmendaten:
Für bullishe Kaufimpulse an den Märkten sorgen wiederkehrende Anschläge militanter nigerianischer Rebellen der Organisation "Mend" (Movement for the Emancipation of the Niger Delta) auf Öleinrichtungen im eigenen Land. Nigeria produziert aufgrund der vorkommenden Kampfhandlungen mit rund 1,6 Mio. Barrel pro Tag nur die Hälfte der möglichen Gesamtkapazität von 3,2 Mio. Barrel pro Tag. Das größte Ölförderland Afrikas verfügt mit geschätzten 36 Milliarden Barrel Ölreserven über besonders hochwertiges Rohöl der Sorte Bonny Light, welches sich auch sehr gut für die Weiterverarbeitung in Destillate wie Heizöl und Diesel eignet.

Für steigende Preise sorgen jedes Jahr auch Sturmaktivitäten im Golf von Mexiko sowie im atlantischen Becken im Zeitraum von Anfang Juni bis Ende November. In den vergangenen Jahren hatten Wirbelstürme im Spätsommer und Herbst verheerende Schäden an der mexikanischen und US-amerikanischen Ölinfrastruktur verursacht und dadurch die Ölpreise auf damalige Allzeithochs getrieben. Laut William Gray, renommierter Hurrikan-Experte der Colorado State University (CSU), wird die Hurrikan-Saison in 2010 in den USA mit hoher Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich hoch sein. Es werden für Haiti und die anderen Karibikinseln bis zu 16 tropische Stürme, davon 5 schwere Hurrikane mit Windgeschwindigkeiten von über 178 km/h erwartet.

Neue Marktimpulse, ausgehend von der Angebots- und Nachfragesituation, versprechen sich Experten von der wöchentlichen Veröffentlichung der jeweils neuesten US-Lagerbestandsdaten, die i.d.R. jeden Mittwochnachmittag (16:30 Uhr-MEZ) durch die US-Energiebehörde „Department of Energy“ (DoE) bekannt gegeben werden. Unter den zahlreichen statischen Daten wie z.B. die prozentuale Auslastung der US-Raffinerien stehen insbesondere die Entwicklung der Bestände an Rohöl, Benzin und die der Destillate, dazu zählen Heizöl und Dieselkraftstoff, im Fokus des Marktgeschehens. Hierbei gilt es auch saisonale Gegebenheiten zu berücksichtigen, so u.a. während der US-amerikanischen Sommerferien. In der sog. „driving season“ steigt aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens die Nachfrage nach Benzin dermaßen an, dass die Produktion von Destillat-Produkten wie Heizöl gedrosselt wird. Die „driving season“ beginnt und endet mit den US-Feiertagen Memorial Day (31.05.2010) und Labor Day (06.09.2010 ).

Im Fokus des Marktgeschehens bleibt auch die Einstellung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die für ca. 40 Prozent des weltweiten Ölangebots verantwortlich sind. Aktuell beläuft sich die offizielle Förderquote der elf Länder (ohne Irak) auf 25,845 Mio. Barrel täglich. Das Ölkartell wird nach Aussage von Angolas Ölminister und OPEC-Präsident Jose Botelho de Vasconcelos erst bei einem Ölpreis von über 100 US-Dollar je Barrel intervenieren und eine Steigerung seiner Fördermengen in Betracht ziehen, um die Erholung der Weltwirtschaft nicht zu gefährden. Das nächste reguläre Treffen der Mitgliedsländer der OPEC wird im September 2010 in Wien. Experten rechnen aber nicht damit, dass das Kartell eine Neueinschätzung seiner offiziellen Förderpolitik vornehmen wird. Eine Austoßkürzung der täglichen Fördermenge wird so gut wie ausgeschlossen, da dies die Weltwirtschaft erneut lähmen würde und in der Folge eine sinkende Nachfrage zur Folge hätte. Im Übrigen besteht für die einzelnen OPEC-Mitglieder immer eher ein Anreiz (inoffiziell) mehr zu produzieren, um die Öleinnahmen (und damit die eigenen Haushalte) überhaupt noch stabil halten zu können.

 

Die letzte große Unbekannte ist die unsichere Entwicklung des viertgrößten Ölproduzenten der Welt, dem Iran. Die Angst vor weiteren Spannungen durch Sanktionen oder einer sogar folgenden militärischen Auseinandersetzung mit der westlichen Welt durch Missachtung der Auflagen könnten den Ölpreis in bisher unbekannte Höhen hieven. Sollte sich der Iran im Rahmen seines Atomprogramms letztendlich nicht kompromissbereit zeigen, und die USA, Israel und Co. die Hinhaltetaktik des Mullahstaates nicht weiter hinnehmen, wäre ein Militärschlag wohl unvermeidlich. Als Eskalationsszenario wird dabei oft die Sperrung der Straße von Hormuz gespielt. Dieser Wasserweg verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Über ihn werden neben anderen Gütern täglich 16 bis 17 Mio. Barrel Öl verschifft. Einen interessanten Artikel zu dem Thema mit dem Titel "Der Pipeline-Plan / Warum Irans Drohung mit der Öl-Waffe sinnlos ist " erhalten Sie auf den Internetseiten des ZDF.

 

* West Texas Intermediate (WTI) ist die weltweit am stärksten nachgefragte Rohölsorte mit geringem Schwefelgehalt (Light Sweet Crude). Der NYMEX Light Sweet Crude Future ist der meistgehandelte Rohstoffkontrakt der Welt.



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