Ölpreisprognose 2019 und Ölpreisentwicklung

Viele "Ölpreis-Experten" übertreffen sich immer wieder zu gegenseitig mit ihren Prognosen und liegen am Ende dann auch oftmals daneben bzw. müssen Ihre Prognosen lediglich and die aktuelle Preisentwicklung anpassen. Als Endverbraucher steht man auf der anderen Seite nur staunend vor all den Zahlen und Fakten und stellt sich die Frage, was man nun glauben soll und was nicht. Der folgende Inhalt soll Ihnen als Leser einen Überblick über zusammengetragenen Ölpreisprognosen und fundamentale Rahmendaten bieten. Vielleicht hilft Ihnen hier die eine oder andere Aussage für Ihre eigene persönliche Entscheidung für einen Einkauf von z.B. Heizöl zu einem bestmöglichen Heizölpreis im Großraum Hamburg.

Historische Preisentwicklung von Rohöl der US-Sorte WTI
(Chart mit Zoomfunktion; klicken und ziehen)

Eine Auswahl von aktuellen Ölpreisprognosen mit Nachfrageentwicklung
22.01.19 - Laut Analyst Harry Tchilinguirian von der BNP Paribas haben die Handelsstreitigkeiten zwischen USA und China die Ölpreise belastet. Aktuell nähern sich die Länder allerdings an, sodass die Sorgen diesbezüglich abnehmen. Für die Ölbörsen bedeute dies, dass man sich wieder verstärkt auf die fundamentalen Faktoren konzentrieren könne. Damit dürfte der Ölpreis zunächst einmal die 56 US-Dollar erreichen und letztendlich auch die 70 US-Dollar ins Visier nehmen. Als entscheidend sieht Tchilinguirian die Umsetzung der Produktionskürzungen, die die OPEC+ Gruppe im Dezember beschlossen hatte, und ob damit die für die erste Jahreshälfte erwartete Überversorgung verhindert werden könne. Währenddessen habe der Iran Probleme seine Ölexporte mit den US Sanktionen zu steigern, so sein Fazit.

17.12.18 - Viele Experten und Analysten haben sich zuletzt eher skeptisch bezüglich der Preisentwicklung gezeigt, da aus den USA ein enormes Produktionswachstum erwartet wird und sich das Ölnachfragewachstum verlangsamen soll. Die Energy Information Administration (EIA), die Internationale Energieagentur (IEA) und OPEC erwarteten in ihren jüngsten Monatsreports im kommenden Jahr somit ein Überangebot. Die EIA hatte ihre Ölpreispreisprognose für Brent in 2019 um über -10 Dollar auf 61 US-Dollar gesenkt. Aber es gibt auch weiterhin Marktteilnehmer, die mit einer bullishen Preisentwicklung rechnen. Bei Evercore ISI rechnet man in 2019 damit, dass die Ölnachfrage das Angebot übersteigen wird. Die Ölvorräte der USA werden Ende des Jahres einen Verbrauch von noch 37,2 Tage abdecken, statt 38,5 Tage wie bisher. Kombiniert mit steigenden Investmentkosten, wird der Preis für Brent im kommenden Jahr daher nahe bei 70 US-Dollar und in 2020 bei 75 US-Dollar liegen, so die Evercore ISI Prognose.

11.12.18 - Die Experten von Morgan Stanley gehen im Grunde davon aus, dass die beschlossene Kürzung der OPEC ausreichend sein wird, um den Markt in der ersten Jahreshälfte 2019 auszubalancieren. Ende des zweiten Quartal des kommenden Jahres sollte der Preis für die Sorte Brent daher wieder auf 67,50 US-Dollar steigen, was ca. -10 Dollar niedriger als bei der letzten Prognose ist. Viel weiter nach oben wird es für die europäische Rohölsorte dann auch nicht mehr gehen. Produktionskürzungen der OPEC und Nicht-OPEC Länder werden letztendlich die Förderung in anderen Ländern begünstigen, sodass dort die Produktion steigt und diese der OPEC Marktanteile abnehmen werden. Für das Gesamtjahr 2019 sieht man Brent daher bei 68,50 US-Dollar, was ebenfalls -10 US-Dollar niedriger als bei der letzten Schätzung ist.

Ähnlich sieht man es auch bei Goldman Sachs. Die Investmentbank geht von einem ausgeglichenen Markt in der ersten Jahreshälfte 2019 aus. Die iranische Ölproduktion wird durch die US-Sanktionen reduziert und der Mangel an Pipeline Kapazitäten in den USA wird das Produktionswachstum in den US-Schieferölgebieten ausbremsen. Zudem würde das globale Nachfragewachstum 2018 und 2019 unterschätzt. Im letzten Monatsreport der Internationalen Energieagentur wurde der Zuwachs im Verbrauch für 2018 und 2019 bei +1,3 bzw. +1,4 Mio. B/T eingeschätzt. Die Entscheidung der OPEC+ Gruppe sei daher konsistent mit der Prognose, dass Brent wieder in eine sogenannte Backwardation Konstellation kippe und der Spotmarktpreis für das europäische Rohöl letztlich wieder nahe der 70 US-Dollar landen werde, so die Goldman Sachs Analysten. Bei einer Backwardation Konstellation sind die Futures mit einer kürzeren Laufzeit teurer als solche mit einer längeren, was für Börsianer in der Regel für eine knappe Marktlage spricht. Für die zweite Jahreshälfte in 2019 erwartet man dann allerdings einen Produktionsschub in den USA, wenn neue Pipelines in Betrieb genommen werden. Diese werden einen Rückstau in der Ölproduktion auflösen. Auch in Kanada, Brasilien und Norwegen rechnet man dann mit einem stärkeren Wachstum, so die Warnungen bei Goldman Sachs.

28.11.18 - Für Analyst Wayne Gordon von der UBS wird Rohöl in den kommenden 6 Monaten am stärksten von allen Rohstoffen zulegen. Der Analyst sieht vor allem China als ein Antriebsmotor für eine Aufwärtskorrektur bei den Rohstoffpreisen. China ist durch die Sanktionen der USA unter Druck gekommen und die hohen Wachstumsraten der letzten Jahre konnten nicht mehr erzielt werden. Die Regierung wir im kommenden Jahr Maßnahmen ergreifen, mit denen das Wirtschaftswachstum gestützt werden soll, was entsprechend auch die Rohstoffnachfrage steigen lässt. Einen möglichen Deal zwischen China und den USA, bei dem man sich auf die künftigen Handelsbeziehungen einigt, wäre dabei "nur" das Sahnehäubchen. In Sachen Rohöl nennt Gordon zwar eine Reihe von bearishen Aspekten, allerdings habe vor allem die US-Logistik erhebliche Probleme die steigende Ölförderung an den Weltmarkt zu bringen. Letztlich rechnet Gordon mit einer global weiter stark steigenden Ölnachfrage. Der Ölmarkt werde daher im ersten Quartal 2019 wieder knapper, sodass die Ölsorte Brent wieder auf 70 bis 80 US-Dollar steigen wird, so das Fazit des UBS Experten.

Nachdem Analyst Gordon von der UBS einen Preisanstieg prognostizierte, stoßen nun auch die Experten von Ashburton Global Energy Fund ins selbe Horn. Innerhalb der kommenden 3 Monaten werde der Rohölpreis wieder deutlich zulegen und dafür nennen diese gleich mehrere Gründe. Die Ölproduktion von Saudi-Arabien ist vor den US-Midterm Wahlen viel zu stark gestiegen. Die Produktion hätte ein Niveau erreicht, dass für Saudi-Arabien nicht lange durchzuhalten sei. Trump hatte in der Zeit vor den Wahlen, aber auch danach, immer wieder Produktionssteigerungen der OPEC gefordert, die dann auch kamen. Die hohen Spritpreise Ende September und Anfang Oktober hatte man in den USA als Gefahr für das Wahlergebnis der Republikaner in den USA gesehen. So rechnet man nun eben mit einer Reduzierung der Ölförderung von Saudi-Arabien. Hinzu kommt, dass die Probleme der Infrastruktur in den USA das Produktionswachstum dort ausbremsen werden. Hinzu kommt, dass die Ölbestände gering und die Kapazitätsreserven sehr niedrig sind, während eine nachhaltige Produktionssteigerung an konventionellen Ölquellen (kein Schieferöl oder Teersande) in 2019 nicht zu erwarten sei. Zu stark waren die Einschnitte der Investitionen in den Jahren nach 2014, als die Ölpreise einbrachen. Letzlich sei die momentane Abwärtsbewegung nur eine Delle in der zyklischen Erholung der Ölpreise. Die Abwärtsbewegung von Oktober und November wird vom Ashburton Global Energy Fund als Korrektur gesehen, die sich bald umkehren werde. Brent sollte in den kommenden drei Monaten somit auf ein Niveau zwischen 70 und 80 US-Dollar steigen, so das abschließende Fazit.

20.11.18 - In diesem Jahr wurden die Ölpreisprognosen meistens angehoben. Ein gutes Wirtschaftswachstum, eine sich positiv entwickelnde Ölnachfrage sowie die US-Sanktionen gegen den Iran hatten die Preiserwartungen nach oben getrieben. Nun kehrt mit der steigenden Ölförderung der OPEC, USA und Russland sowie mit den umfangreiIn den letzten Wochen hat sich mehr und mehr die Überzeugung durchgesetzt, dass der Markt deutlich besser versorgt bleibt, als es sich zu Jahresmitte noch abzeichnete. Nach den Monatsberichten von EIA, IEA und OPEC haben die Experten keine Zweifel mehr daran, dass die OPEC ihre Förderung für das kommenden Jahr kürzen wird. Lediglich bei der Menge und bei den beteiligten Ländern gibt es hier Abweichungen. Bei JP Morgan geht man davon aus, dass die Produktion 2019 durchschnittlich um -1,2 Mio. Barrel pro Tag (B/T) gekürzt wird. Will man einen weiteren Preisrutsch vermeiden, müssten im ersten Quartal 2019 sogar mehr als -1,5 Mio. B/T vom Markt genommen werden, da dies die saisonal schwächste Periode für die Ölnachfrage ist. Michael Hewson, von CMC Markets, glaubt, dass Saudi-Arabien versuche einen Boden für Preise einzurichten. Es bleibe allerdings fraglich, ob es gelingt ausreichend Öl vom Markt zu nehmen, um die Abwärtsbewegung zu stoppen. Bei der BNP Paribas ist man überzeugt, dass dies der OPEC gelingen wird. Die OPEC wird am 6. Dezember eine Produktionskürzung verabschieden und die Preise werden dann in den kommenden Monaten wieder steigen. Vor Jahresende werde die Ölsorte Brent daher wieder 80 US-Dollar erreichen, so die Prognose. Ausgehend vom aktuellen Niveau, entspräche dies einem Anstieg von über +13 US-Dollar bzw. 20%. Damit würde Brent auch deutlich über der aktuellen EIA Preisprognose von 73,12 US-Dollar für das aktuelle Jahr liegen. Für 2019 rechnet man bei der BNP mit einem Durchschnittspreis von 76 US-Dollar Brent und 69 US-Dollar für die US-Rohölsorte WTI.

16.11.18 - Die Experten der Commonwealth Bank of Austria (CBA) haben auf Grund der aktuellen Marktlage ihre Preisprognosen für die Ölsorte Brent zum Teil deutlich nach unten korrigiert. Der Durchschnittspreis für Brent wird mit -14% zur letzten Schätzung nun "nur noch" bei 73 US-Dollar eingeschätzt, während die Preise im Jahr drauf wohl noch einmal niedriger erwartet werden. Die umfangreichen Ausnahmen der USA bei Sanktionen gegen den Iran sind für die Analysten bei CBA ausschlaggebend für die Ölpreiskorrektur. Es werde mehr Öl verfügbar sein, weshalb man die alte Prognose für 2019 nach unten korrigiert hat. Für das Folgejahr 2020 hat man die Ölpreisprognose lediglich um -2% angepasst, sieht damit Brent aber dennoch mit durchschnittlich 67 US-Dollar günstiger als in 2019. Wegen der hohen Ölförderung in den USA, gepaart mit dem Mangel an Pipelinekapazitäten für den Abtransport, bleibt dies eine Belastung für die US-Ölpreise. Es sei demnach davon auszugehen, dass die US-Rohöl auch weiter mit einem deutlichen Preisabschlag zu Brent gehandelt werde.

06.11.18 - In diesem Jahr wurden die Ölpreisprognosen meistens angehoben. Ein gutes Wirtschaftswachstum, eine sich positiv entwickelnde Ölnachfrage sowie die US-Sanktionen gegen den Iran hatten die Preiserwartungen nach oben getrieben. Nun kehrt mit der steigenden Ölförderung der OPEC, USA und Russland sowie mit den umfangreichen Ausnahmeregelungen bei den Iran Sanktionen jedoch ein Umdenken ein. Neben der EIA, die in ihrem aktuellen Monatsreport die Preisprognosen deutlich herabgestuft hat, schätzen auch Investmentbanken und andere Analysten die Preise nun niedriger ein. Morgan Stanley korrigiert seine bisherige Ölpreisprognose für Brent zum aktuellen Jahresende sowie für die erste Jahreshälfte 2019 von 85 auf 77,50 US-Dollar nach unten. Neben den Ausnahmen bei den Iran Sanktionen nennen die Experten vor allem die steigende Ölförderung, der USA, der OPEC Mitglieder im Mittleren Osten sowie in Libyen und Russland als Ursache. Auch die Analysten bei FGE schätzen den Rohölpreis wegen der Sanktionsausnahmen gegen den Iran nun niedriger ein. Das Preisniveau sollte sich in einer Spanne von 70 bis 80 US-Dollar stabilisieren, während Ausreißer nach oben bei rund 85 US-Dollar und nach unten bei etwa 65 US-Dollar limitiert seien.

02.11.18 - Laut einer vom Wall Street Journal monatlich durchgeführten Umfrage unter mehreren Großbanken gingen die Experten zuletzt davon aus, dass die Ölpreise im laufenden Jahr im Durchschnitt etwas höher sein werden, als bislang erwartet. Sowohl für europäische Ölsorte Brent als auch für die US-Rohölsorte WTI wurden die Ölpreisprognosen in der Umfrage von Oktober angehoben. Die Analysten der 11 Großbanken, die an der Umfrage im Oktober teilnahmen, rechnen mittlerweile bei Brent für das laufende Jahr von einem Durchschnittspreis von 75 US-Dollar pro Barrel. Dies ist etwa +2 US-Dollar pro Barrel mehr als das, was man noch im September erwartet hatte. Die Prognosen für die amerikanische Rohölsorte WTI wurden um +1 US-Dollar pro Barrel auf nun 68 US-Dollar pro Barrel nach oben korrigiert. Die Experten begründen die höheren Preisprognosen mit den Angebotsausfällen, die nach dem Inkrafttreten weiterer US-Sanktionen gegen den Iran (Anfang November) zu erwarten sind. Zwar konnten die bisherigen Ausfälle durch Produktionssteigerungen in den USA, Rußland und einigen OPEC-Ländern, vor allem Saudi-Arabien, kompensiert werden. Die Faktoren, die die Preise in den vergangenen Monaten gestützt hätten, seien jedoch immer noch vorhanden, so Martijn Rats von Morgan Stanley. Sowohl die Bestände als auch die Reservekapazität sind im historischen Vergleich niedrig, weswegen es am Ölmarkt nur einen kleinen Puffer gebe, und die Ölexporte Irans werden wahrscheinlich weiter sinken, sobald die US-Sanktionen greifen, erklärt Rats, der selbst davon ausgeht, dass der Brent-Preis bis Ende des Jahres erneut auf 85 US-Dollar pro Barrel steigen werde. Für das kommende Jahr rechnen die Experten der Umfrage zufolge im Schnitt mit einem Preis von mehr als 77 US-Dollar pro Barrel Brent und etwa 71 US-Dollar pro Barrel WTI.

24.09.18 - Die US-Sanktionen gegen den Iran könnten die Ölpreise Ende 2018 oder Anfang 2019 wieder auf 100 US-Dollar je Barrel ansteigen lassen. Davon geht man bei den Handelshäusern Mercuria und Trafigura aus. Im Rahmen der Asia Pacific Petroleum Conference (APPEC) erklärte Daniel Jaeggi von Mercuria Energy Trading, die Sanktionen könnten das Rohölangebot bis Ende des Jahres um rund 2 Mio. Barrel pro Tag sinken lassen. Dies würde einen Anstieg der Ölpreise bis auf 100 US-Dollar pro Barrel ermöglichen, denn einen so starken Angebotsausfall könnte der Markt nicht kompensieren. Der Markt könnte im letzten Jahresquartal eine enorme Volatilität zeigen, so Jaeggi, je nach dem, wie schwerwiegend und von welcher Dauer die Sanktionen gegen den Iran sein würden. Ben Luckock von Trafigura zufolge könnten die Ölpreise bis Weihnachten auf 90 und bis Neujahr auf 100 US-Dollar pro Barrel steigen, da das Angebot am Markt knapper werde. Die Ölproduktion Irans werde “deutlich geringer sein als sie war und wahrscheinlich niedriger als viele Menschen es erwartet hatten, als die Sanktionen angekündigt worden waren”, so Luckock während der APPEC.

31.08.18 - Erstmals seit knapp einem Jahr senkten Analysten, die in einer monatlichen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters befragt werden, ihre Ölpreispreisprognosen für die führenden Ölsorten Brent und WTI. Begründet wurde dies mit den negativen Auswirkungen, die der Handelsstreit zwischen den USA und zahlreichen Währungsräumen auf die Ölnachfrage haben dürfte. Die befragten 45 Analysten rechnen im Schnitt damit, dass der Preis der Nordsee-Rohölsorte Brent im laufenden Jahr bei durchschnittlich 72,71 US-Dollar pro Barrel liegen wird. In der Juli-Umfrage schätzten sie den Durchschnittspreis von Brent noch auf 72,87 US-Dollar pro Barrel. 2019 soll sich der Durchschnittspreis für ein Barrel Brent dann auf 72,58 US-Dollar belaufen. Bei der US-Rohölsorte WTI gehen die Experten für 2018 mittlerweile von einem Durchschnittspreis von 67,13 US-Dollar pro Barrel aus. Damit senkten sie ihre eigenen Prognosen von Juni um -0,19 US-Dollar. Bei beiden Rohölsorten liegen die Prognosen zum Durchschnittspreis unter dem derzeitigen Preisniveau, das bei Brent aktuell bei etwa 77,50 US-Dollar und bei WTI bei etwa 70,00 US-Dollar liegt. Laut Carsten Fritsch von der Commerzbank könnten die Handelsstreitigkeiten das Ölnachfragewachstum in Asien dämpfen. Gleiches gelte auch, sollte sich die Türkei-Krise auf andere Schwellenländer übertragen. Das geringere Nachfragewachstum würde es dann einfacher machen, die iranischen Angebotsausfälle zu ersetzen, so Fritsch. Bislang gehen die Analysten laut William Patterson von ING davon aus, dass der Ölmarkt im vierten Quartal im Gleichgewicht bleiben werde, angenommen das Angebot aus dem Iran gehe um etwa 500.000 Barrel pro Tag zurück. Sollten die Ausfälle aus dem Iran jedoch umfangreicher sein, würde dies im vierten Quartal zu einem Angebotsdefizit führen.

usdollar.jpg

Verhältnis Ölpreisentwicklung zu Heizölpreisen
Fallende Rohölpreise bedeuten übrigens nicht immer auch gleichzeitig fallende Heizölpreise im Euroraum. Sinkende Notierungen für Rohöl stehen in der Regel im Einklang mit einem steigenden US-Dollar bzw. (siehe Beispielgraphik rechts) einem fallenden Eurokurs. Da Rohöl an den internationalen Rohstoffmärkten in US-Dollar gehandelt wird, bewirken sinkende Rohölpreise somit nur teilweise einen günstigeren Heizölpreis. Ein fallender US-Dollarkurs sorgt andersherum für einen günstigen Wechselkurs in "Nicht-US-Dollar-Ländern" und somit zu einer höheren Nachfrage nach "günstigerem" Öl, was wiederum in der Folge zu steigenden Ölpreisnotierungen führt. Spekulanten nutzen den Rohstoff Öl oftmals als Hedge (Sicherungsgeschäft), um sich vor Währungsverlusten des US-Dollars und möglichen Inflationsgefahren in den USA zu schützen. Daher stehen kräftige Kursverluste des US- Dollars gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung traditionell im Einklang mit steigenden Ölpreisnotierungen. 

Fundamentale Rahmendaten
Für bullishe Kaufimpulse an den Märkten sorgen wiederkehrende Anschläge militanter nigerianischer Rebellen auf Öleinrichtungen im eigenen Land. Nigeria produziert aufgrund von vorkommenden Kampfhandlungen nur die Hälfte der möglichen Gesamtkapazität von 3,2 Mio. Barrel pro Tag. Das größte Ölförderland Afrikas verfügt mit geschätzten 36 Milliarden Barrel Ölreserven über besonders hochwertiges Rohöl der Sorte Bonny Light, welches sich auch sehr gut für die Weiterverarbeitung in Destillate wie Heizöl und Diesel eignet.

Für steigende Preise sorgen jedes Jahr auch Sturmaktivitäten im Golf von Mexiko sowie im atlantischen Becken im Zeitraum von Anfang Juni bis Ende November eines jeden Jahres. In den vergangenen Jahren hatten Wirbelstürme im Spätsommer und Herbst teilweise (Sturm Katrina) verheerende Schäden an der mexikanischen und US-amerikanischen Ölinfrastruktur verursacht und dadurch die Ölpreise auf damalige Allzeithochs getrieben. Laut Meteorologen der Colorado State University könnte die Aktivität in 2018 überdurchschnittlich sein, so die Experten. Man erwartet 14 Stürme, die stark genug sind mindestens zu einem Tropensturm heranzuwachsen. Hiervon sollen 7 Hurrikanstärke erreichen und wiederum 3 würden mindestens Kategorie 3 erreichen. Diese Einschätzung gilt für alle Stürme im Atlantik während der Saison. Wo diese genau diese auftreten und wie hoch die Gefahr für US-Ölanlagen ist, kann hierbei nicht gesagt werden. Trifft die Prognose zu, so wäre die diesjährige Saison zwar leicht über dem Durchschnitt, jedoch etwas ruhiger als im letzten Jahr. 2017 gab es insgesamt 17 Stürme, die mindestens die Stärke eines Tropensturms erreicht hatten. Hieraus entwickelten sich 10 Hurrikans, von denen 6 mindestens Kategorie 3 oder höher erreichten. Die letztjährige Hurrikan Saison hatte zum Teil erheblichen Einfluss auf die US-Ölanlagen im Golf von Mexiko sowie auf die Raffinerien im Süden der USA. Die Vorhersagen der Meteorologen sind dabei allerdings in der Regel nicht unbedingt sehr verlässlich, wenngleich der Markt solche Meldungen natürlich gerne aufnimmt.

Neue Marktimpulse, ausgehend von der Angebots- und Nachfragesituation, versprechen sich Experten von der wöchentlichen Veröffentlichung der jeweils neuesten US-Lagerbestandsdaten, die i.d.R. jeden Mittwochnachmittag (16:30 Uhr-MEZ) durch die US-Energiebehörde „Department of Energy“ (DoE) bekannt gegeben werden. Unter den zahlreichen statischen Daten wie z.B. die prozentuale Auslastung der US-Raffinerien stehen insbesondere die Entwicklung der Bestände an Rohöl, Benzin und die der Destillate, dazu zählen Heizöl und Dieselkraftstoff, im Fokus des Marktgeschehens. Hierbei gilt es auch saisonale Gegebenheiten zu berücksichtigen, so u.a. während der US-amerikanischen Sommerferien. In der sog. „driving season“ steigt aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens die Nachfrage nach Benzin dermaßen an, dass die Produktion von Destillat-Produkten wie Heizöl gedrosselt wird. Die „driving season“ beginnt und endet mit den US-Feiertagen Memorial Day (31. Mai) und Labor Day (06. September). 

Im Fokus des Marktgeschehens bleibt auch die Einstellung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die für ca. 40 Prozent des weltweiten Ölangebots verantwortlich sind. Allerdings wird die OPEC wohl langfristig noch weiter an Bedeutung verlieren, da Staaten wie Russland, Irak, Libyen, Iran und vor allem die USA die eigene Produktion (z.B. Schiefervorkommen) kräftig steigern. Es besteht immer die Möglichkeit, dass das Kartell Anpassungen seiner offiziellen Förderpolitik bzw. Kürzungen der täglichen Fördermengen vornehmen wird. Allerdings könnten solche Ausstoßkürzungen bzw. Verknappungen auf der Angebotsseite der täglichen Fördermenge die Weltwirtschaft lähmen, was eine sinkende Nachfrage zur Folge hätte. Im Übrigen besteht für die einzelnen OPEC-Mitglieder immer eher ein Anreiz (inoffiziell) mehr zu produzieren, um die Öleinnahmen (und damit die eigenen Haushalte) überhaupt noch stabil halten zu können. Experten schätzen die Einhaltung der festgesetzten Gesamtquote auf nur etwa 55-60 Prozent.

* West Texas Intermediate (WTI) ist die weltweit am stärksten nachgefragte Rohölsorte mit geringem Schwefelgehalt (Light Sweet Crude). Der NYMEX Light Sweet Crude Future ist der meistgehandelte Rohstoffkontrakt der Welt.

Weitere Informationen über die Ölpreisbildung
Der Mineralölwirtschaftsverband aus Hamburg hat eine Broschüre im PDF-Format bereitgestellt, in der ein kurzer Blick auf die Entwicklung (Einflussfaktoren & Ölpreisbildung) des Ölmarktes geworfen wird.