Ölpreisprognose 2017 & Ölpreisentwicklung

Viele "Ölpreis-Experten" übertreffen sich immer wieder zu gegenseitig mit ihren Prognosen und liegen am Ende dann auch oftmals daneben bzw. müssen Ihre Prognosen lediglich and die aktuelle Preisentwicklung anpassen. Als Endverbraucher steht man auf der anderen Seite nur staunend vor all den Zahlen und Fakten und stellt sich die Frage, was man nun glauben soll und was nicht. Der folgende Inhalt soll Ihnen als Leser einen Überblick über zusammengetragenen Ölpreisprognosen und fundamentale Rahmendaten bieten. Vielleicht hilft Ihnen hier die eine oder andere Aussage für Ihre eigene persönliche Entscheidung für einen Einkauf von z.B. Heizöl zu einem bestmöglichen Heizölpreis in Hamburg.

Fallende Ölpreise bzw. fallende Heizölpreise wären hier eine natürliche Folge auf kurz- bis mittelfristige Sicht. Durch die niedrigen Ölpreise sinken allerdings auch die Investitionen der Ölförderländer als auch die der Ölkonzerne in die Öl-Infrastruktur, so dass hier ein Investitionsstau droht. In der Zukunft könnte der Ölpreis dann bei anziehender Nachfrage nach dem (ehemals) schwarzen Gold mangels aktiver Anbieter und maroder Infrastruktur der Ölpreis möglicherweise wieder ansteigen.   

Eine Auswahl von aktuellen Ölpreisprognosen mit Nachfrageentwicklung
Die Analysten der Investmentbank JP Morgan haben am 21.11.17 in ihrem Global Commodities Outlook ihre Erwartungen für die Rohölpreisentwicklung 2018 beziffert und einige wesentliche Faktoren für den Ölmarkt herausgestellt. Dazu gehört insbesondere, dass der Markt im kommenden Jahr 2018 auf weitere Produktionskürzungen von OPEC und Nicht-OPEC Ländern angewiesen sein wird, ansonsten wird es wieder zu einem Überangebot kommen. Mit einer Fortsetzung einer gemeinsamen Ölpolitik wäre der Markt allerdings in etwa ausgeglichen. Darüber hinaus werden Angebot und Nachfrage auf die Preisniveaus reagieren. Bei Preisen oberhalb der 60 US-Dollar für die europäische Ölsorte Brent wird der Ölbedarf niedriger, unterhalb von 50 US-Dollar dafür höher als erwartet ausfallen. Gleichzeitig wird der Preis aber auch die US-Schieferölproduktion weiter beeinflussen, die stärker als angenommen wachsen kann, sollten die Preise auf hohem Niveau verharren.

Die Strategie der OPEC geht allmälich auf und die globalen Ölbestände sinken. Die Preise an den Ölbörsen ziehen daher an und haben bei Brent zuletzt immer wieder neue 2-Jahreshochs markiert. Nun heben auch die Investmentbanken ihre 2018 Preisprognosen für die führenden Ölsorten Brent und WTI um jeweils einen US-Dollar an. Monatlich führt das Wall Street Journal eine Umfrage unter 14 Investmentbanken durch, die den Ölpreis für das kommende Jahr schätzen sollen. Die aktuelle Studie hat ergeben, dass der Durchschnittspreis für Brent 2018 nun auf 54 US-Dollar geschätzt wird, was +1 US-Dollar mehr als im Vormonat ist. Auch die US-Rohölsorte WTI wird teurer eingeschätzt und soll laut Umfrage mit 51 US-Dollar ebenfalls einen Dollar teurer sein als bei der Befragung Ende September. Die Aufwärtskorrektur der Preisprognose um einen Dollar ist die erste Anhebung des Prognosewerts innerhalb dieser Umfrageserie seit sechs Monaten. Mit den Preisen von 54 und 51 US-Dollar liegt die Erwartung für 2018 jedoch noch immer unter dem aktuellen Preisniveaus.

Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch (BAML) haben ihre Preisprognosen Mitte Oktober für Brent und WTI nach oben korrigiert. Die Experten geben an, dass die Datenlage momentan darauf hindeute, dass es in 2017 zu einem unerwartet deutlichen Angebotsdefizit von rund 230.000 Barrel pro Tag kommen werde. Wegen der knapperen Marktlage in diesem Jahr hat man die Prognose für den Durchschnittspreis Brent für das letzte Quartal 2017 von 50 auf 54 US-Dollar nach oben angepasst. Zum ersten Quartal 2018 rechnet man mit einer wieder entspannteren Versorgungslage, da die saisonale Nachfrage dann wieder deutlich nachlässt. Man geht von einem Preisrückgang auf 52,50 US-Dollar aus, was allerdings ebenfalls eine Aufwärtskorrektur der letzten Schätzung ist, als man den Preis für 1. QUartal 2018 noch bei 49,50 US-Dollar gesehen hat. Auch die Prognose für die Ölsorte WTI wird für das laufende Quartal von 47 auf 49 US-Dollar nach oben korrigiert.

Die britische Großbank Barclays geht davon aus, dass die Ölbestände weiter sinken werden und sich der Markt wahrscheinlich stärker auf geopolitische Risiken und geringere Reservekapazitäten in der Produktion konzentrieren wird. Von daher schätze man den Durchschnittspreis für Brent im ersten Quartal 2018 mit insgesamt 56 US-Dollar nun +5 US-Dollar höher als bei der letzten Analyse ein. Für das laufende Jahr hatte man bei Barclays einen Durchschnittspreis von 53 US-Dollar geschätzt. Trotz des erwarteten Preisanstiegs im ersten Quartal warnen die Analysten bei Barclays gleichzeitig aber vor Abwärtspotenzial. Dank einer steigenden globalen Ölproduktion könnte Brent im zweiten Quartal 2018 auf 48 US-Dollar abrutschen, so die Experten.

Experten tun sich aktuell sichtlich schwer den Markt richtig einzuschätzen und daher gehen die Erwartungen zum Teil deutlich auseinander. Analysten von Energy Aspects gehen davon aus, dass die US-Schieferölproduktion alleine nicht ausreichen wird, um die Preise wieder nennenswert unter Druck zu setzen. Die Welt brauche deutlich mehr Öl als die USA bieten könne, so deren Hinweis. Die fundamentale Ausgangslage weise daraufhin, dass die Preise über 50 US-Dollar bleiben könnten, so das Fazit. Eine andere Einschätzung haben dahingehend die Analysten der Bank Julius Bär. Hier sieht man nach der guten Sommernachfrage einen saisonalen Rückgang des globalen Ölbedarfs zum Herbst und Winter. In der Regel ist die Nachfrage im vierten Quartal zunächst leicht rückläufig und fällt im ersten Quartal noch einmal deutlich. In Verbindung mit der wachsenden Ölproduktion in den USA und möglicherweise steigenden Exporten der OPEC, wenn deren saisonal hoher Eigenbedarf der Sommermonate abflaut, könnte sich der aktuelle Trend umkehren. Bei Julius Bär glaubt man daher, dass die Preise mehr Abwärts- als Aufwärtsspielräume haben und empfiehlt eine taktische Short-Position für den März 2018 Kontrakt. Eine ähnliche Einschätzung hat man auch bei Macro Risk Advisors. Analyst Chris Kettenmann glaubt, dass man bei Preisen von über 50 US-Dollar einen überversorgten Markt generiert, weshalb er zur Vorsicht rät und bei steigenden Preisen selber Verkaufspositionen eröffnet.

Laut Meinung der Experten von Morgan Stanley wird der Ölmarkt im Jahr 2018 mit einigen Schwächen und Unsicherheiten konfrontiert sein. Es sei davon auszugehen, dass das Abkommen der OPEC mit Nicht-OPEC Ländern zur Kürzung der Produktionsmengen irgendwann im kommenden Jahr auslaufen werde. Die Schieferölproduktion in den USA, auch wenn die Anzahl der Ölbohranlagen aktuell stagniert, werde weiterhin zulegen. Zusammen mit dem Ende der Produktionskürzungen wird die US-Ölförderung zu einem überversorgten Markt beitragen. Zudem gehen die Analysten bei Morgan Stanley davon aus, dass die chinesischen Ölvorräte in diesem Jahr um etwa 0,9 Mio. Barrel pro Tag zulegen werden. Die Versorgungssicherheit in China nimmt also zu und je höher die Vorräte sind, desto weniger wahrscheinlich sind weitere Bestandsaufstockungen. Letztlich werden die Preise aber innerhalb der Handelsspannen bleiben, die die Preisniveaus auch aktuell begrenzen, so das Fazit.

Die OPEC befindet sich laut Analysten der BNP Paribas weiterhin in einem Dilemma. Ohne weitergehende Produktionskürzungen werde die Herstellung des Marktgleichgewichtes deutlich länger benötigen als bisher gedacht. Nimmt das Kartell nun noch mehr Öl vom Markt, würde dies die Preise temporär steigern. Dadurch würde aber auch die Ölförderung außerhalb des Kartells, wie z.B. die Schieferölindustrie in den USA, rentabler und zulegen. Das damit generierte Angebot würde die Preise wieder unter Druck setzen, zumal die OPEC ihre Kürzungen wohl kaum dauerhaft aufrecht erhalten kann. Auf der anderen Seite wäre ein Ende der Kürzungen ebenfalls kontraproduktiv. Das Angebot würde unmittelbar ansteigen, wodurch die Preise für Rohöl auf 40 US-Dollar oder sogar niedriger fallen würden. Damit hat die OPEC eigentlich keine andere Wahl als den Status Quo vorerst beizubehalten, fassen die Analysten der BNP Paribas zusammen. Damit lässt die Bank auch ihre bisherigen Preisprognosen von 51 US-Dollar für die Sorte Brent und 49 US-Dollar für WTI vorerst unverändert.

Den Analysten von Goldman Sachs zufolge muss die OPEC weitere Förderkürzungen vornehmen, wenn sie einen Preisrückgang unter 40 US-Dollar pro Barrel verhindern will. Der Markt habe derzeit nicht mehr die Geduld, auf einen umfangreicheren Bestandsrückgang zu warten. Darüber hinaus hätten die Marktteilnehmer immer größere Zweifel, was ein Marktgleichgewicht im kommenden Jahr angehe. Daher müsse ein Preisanstieg vor allem durch eine ersichtliche Knappheit am physischen Markt sowie durch Anzeichen einer nachlassenden Bohraktivität in der amerikanischen Schieferölindustrie in den kommenden Wochen eingeleitet werden. Was die Ölförderung Libyens und Nigerias angehe, habe man sich bei den eigenen Prognosen verschätzt, so die Analysten von Goldman Sachs, die jedoch weiterhin daran glauben, dass es noch eine Möglichkeit für die OPEC gebe, die Ende 2016 vereinbarten Förderkürzungen weiter auszubauen. Dies sollte jedoch nicht lange Zeit vorher angekündigt werden, sondern mit einer einer Art Schockstrategie durchgeführt werden.

Die Experten der Deutschen Bank haben auch ihre Erwartungen für die Ölpreise gesenkt. Nachdem bereits zahlreiche Experten und Bankhäuser ihre Prognosen angepasst hatten, ist dies eher weniger überraschend. Die Deutsche Bank sieht den Durchschnittspreis für die europäsiche Ölsorte Brent in 2018 nun bei 54 US-Dollar, was einer Korrektur um -9 US-Dollar zur vorherigen Erwartungshaltung entspricht. Für das Jahr 2019 sieht man Brent nun bei etwa 56 US-Dollar (zuvor: 65 US-Dollar). Bei der langfristigen Preiserwartung geht man davon aus, dass sich ein Niveau von 60 US-Dollar etablieren wird, was -5 US-Dollar unterhalb der letzten Prognose liegt. Als Begründung nennt die Deutsche Bank die Fähigkeit der US-Schieferölindustrie auch bei niedrigen Preisen noch rentabel zu arbeiten. Die Ölförderaktivität würde wohl erst in einem Preisbereich von 40 bis 45 US-Dollar abnehmen, wo man in etwa den Break-Even Preis für die amerikanische Ölsorte WTI sieht. Auch wenn es eine gesunde Nachfrageentwicklung gebe, so lange die OPEC ihre Produktionskürzungen nicht verstärkt und die US-Ölförderung weiter steigt, werden die Preise vermutlich niedrig bleiben, so das Fazit.

Analysten der französischen Großbank Société Générale haben ihre Preisprognose für die Ölsorte Brent im dritten Quartal 2017 auf 50 US-Dollar gesenkt. Zuvor sah man den Durchschnittspreis für Brent in diesem Zeitraum bei 57,50 US-Dollar. Auch für das vierte Quartal hat man die Erwartung um -7,50 US-Dollar nach unten angepasst und rechnet nun mit einem Durchschnittspreis im Bereich der 52,50 US-Dollar. Für das gesamte Jahr geht man von einem Durchschnittspreis von 52,00 US-Dollar aus, was einer Korrektur von -4,40 US-Dollar entspricht, während man den Preis in 2018 nun bei 54,00 US-Dollar (-6,00 US-Dollar) sieht. Als Begründung nennen die Experten die steigende Ölförderung der USA, Libyens und Nigerias, die die bearishe Stimmung im Markt verstärken würde.

Historische Preisentwicklung von Rohöl der US-Sorte WTI (mit Zoomfunktion)

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Verhältnis Ölpreisentwicklung zu Heizölpreisen
Fallende Rohölpreise bedeuten übrigens nicht immer auch gleichzeitig fallende Heizölpreise im Euroraum. Sinkende Notierungen für Rohöl stehen in der Regel im Einklang mit einem steigenden US-Dollar bzw. (siehe Beispielgraphik rechts) einem fallenden Eurokurs. Da Rohöl an den internationalen Rohstoffmärkten in US-Dollar gehandelt wird, bewirken sinkende Rohölpreise somit nur teilweise einen günstigeren Heizölpreis. Ein fallender US-Dollarkurs sorgt andersherum für einen günstigen Wechselkurs in "Nicht-US-Dollar-Ländern" und somit zu einer höheren Nachfrage nach "günstigerem" Öl, was wiederum in der Folge zu steigenden Ölpreisnotierungen führt. Spekulanten nutzen den Rohstoff Öl oftmals als Hedge (Sicherungsgeschäft), um sich vor Währungsverlusten des US-Dollars und möglichen Inflationsgefahren in den USA zu schützen. Daher stehen kräftige Kursverluste des US- Dollars gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung traditionell im Einklang mit steigenden Ölpreisnotierungen. 

Fundamentale Rahmendaten
Für bullishe Kaufimpulse an den Märkten sorgen wiederkehrende Anschläge militanter nigerianischer Rebellen auf Öleinrichtungen im eigenen Land. Nigeria produziert aufgrund von vorkommenden Kampfhandlungen nur die Hälfte der möglichen Gesamtkapazität von 3,2 Mio. Barrel pro Tag. Das größte Ölförderland Afrikas verfügt mit geschätzten 36 Milliarden Barrel Ölreserven über besonders hochwertiges Rohöl der Sorte Bonny Light, welches sich auch sehr gut für die Weiterverarbeitung in Destillate wie Heizöl und Diesel eignet.

Für steigende Preise sorgen jedes Jahr auch Sturmaktivitäten im Golf von Mexiko sowie im atlantischen Becken im Zeitraum von Anfang Juni bis Ende November eines jeden Jahres. In den vergangenen Jahren hatten Wirbelstürme im Spätsommer und Herbst teilweise (Sturm Katrina) verheerende Schäden an der mexikanischen und US-amerikanischen Ölinfrastruktur verursacht und dadurch die Ölpreise auf damalige Allzeithochs getrieben.

Neue Marktimpulse, ausgehend von der Angebots- und Nachfragesituation, versprechen sich Experten von der wöchentlichen Veröffentlichung der jeweils neuesten US-Lagerbestandsdaten, die i.d.R. jeden Mittwochnachmittag (16:30 Uhr-MEZ) durch die US-Energiebehörde „Department of Energy“ (DoE) bekannt gegeben werden. Unter den zahlreichen statischen Daten wie z.B. die prozentuale Auslastung der US-Raffinerien stehen insbesondere die Entwicklung der Bestände an Rohöl, Benzin und die der Destillate, dazu zählen Heizöl und Dieselkraftstoff, im Fokus des Marktgeschehens. Hierbei gilt es auch saisonale Gegebenheiten zu berücksichtigen, so u.a. während der US-amerikanischen Sommerferien. In der sog. „driving season“ steigt aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens die Nachfrage nach Benzin dermaßen an, dass die Produktion von Destillat-Produkten wie Heizöl gedrosselt wird. Die „driving season“ beginnt und endet mit den US-Feiertagen Memorial Day (31. Mai) und Labor Day (06. September). 

Im Fokus des Marktgeschehens bleibt auch die Einstellung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die für ca. 40 Prozent des weltweiten Ölangebots verantwortlich sind. Allerdings wird die OPEC wohl langfristig noch weiter an Bedeutung verlieren, da Staaten wie Russland, Irak, Libyen, Iran und vor allem die USA die eigene Produktion (z.B. Schiefervorkommen) kräftig steigern. Es besteht immer die Möglichkeit, dass das Kartell Anpassungen seiner offiziellen Förderpolitik bzw. Kürzungen der täglichen Fördermengen vornehmen wird. Allerdings könnten solche Ausstoßkürzungen bzw. Verknappungen auf der Angebotsseite der täglichen Fördermenge die Weltwirtschaft lähmen, was eine sinkende Nachfrage zur Folge hätte. Im Übrigen besteht für die einzelnen OPEC-Mitglieder immer eher ein Anreiz (inoffiziell) mehr zu produzieren, um die Öleinnahmen (und damit die eigenen Haushalte) überhaupt noch stabil halten zu können. Experten schätzen die Einhaltung der festgesetzten Gesamtquote auf nur etwa 55-60 Prozent.

* West Texas Intermediate (WTI) ist die weltweit am stärksten nachgefragte Rohölsorte mit geringem Schwefelgehalt (Light Sweet Crude). Der NYMEX Light Sweet Crude Future ist der meistgehandelte Rohstoffkontrakt der Welt.

Weitere Informationen über die Ölpreisbildung
Der Mineralölwirtschaftsverband aus Hamburg hat eine Broschüre im PDF-Format bereitgestellt, in der ein kurzer Blick auf die Entwicklung (Einflussfaktoren & Ölpreisbildung) des Ölmarktes geworfen wird.