Ölpreisprognose 2018 & Ölpreisentwicklung

Viele "Ölpreis-Experten" übertreffen sich immer wieder zu gegenseitig mit ihren Prognosen und liegen am Ende dann auch oftmals daneben bzw. müssen Ihre Prognosen lediglich and die aktuelle Preisentwicklung anpassen. Als Endverbraucher steht man auf der anderen Seite nur staunend vor all den Zahlen und Fakten und stellt sich die Frage, was man nun glauben soll und was nicht. Der folgende Inhalt soll Ihnen als Leser einen Überblick über zusammengetragenen Ölpreisprognosen und fundamentale Rahmendaten bieten. Vielleicht hilft Ihnen hier die eine oder andere Aussage für Ihre eigene persönliche Entscheidung für einen Einkauf von z.B. Heizöl zu einem bestmöglichen Heizölpreis in Hamburg.

Fallende Ölpreise bzw. fallende Heizölpreise wären hier eine natürliche Folge auf kurz- bis mittelfristige Sicht. Durch die niedrigen Ölpreise sinken allerdings auch die Investitionen der Ölförderländer als auch die der Ölkonzerne in die Öl-Infrastruktur, so dass hier ein Investitionsstau droht. In der Zukunft könnte der Ölpreis dann bei anziehender Nachfrage nach dem (ehemals) schwarzen Gold mangels aktiver Anbieter und maroder Infrastruktur der Ölpreis möglicherweise wieder ansteigen.   

Historische Preisentwicklung von Rohöl der US-Sorte WTI (mit Zoomfunktion)

Eine Auswahl von aktuellen Ölpreisprognosen mit Nachfrageentwicklung
12.07.18 - Die Analysten von BMI Research haben ihre Preisprognosen für die Nordsee-Rohölsorte Brent angehoben. Sowohl für das laufende Jahr, als auch für 2019 rechnen die Analysten mittlerweile mit einem höheren Brent-Preis als bisher. Hatte man bei BMI Research zuletzt noch damit gerechnet, dass die Rohölsorte Brent im Jahr 2018 durchschnittlich 73 US-Dollar pro Barrel kosten würde, geht man jetzt davon aus, dass der Durchschnittspreis für die Nordsee-Rohölsorte +2 US-Dollar teurer sein dürfte. Die Analysten hoben ihre Prognosen für 2018 auf 75 US-Dollar pro Barrel an. Auch die Preisprognosen für 2019 wurden um +2 Dollar pro Barrel auf 80 US-Dollar pro Barrel erhöht. Die Experten begründen die höheren Preisprognosen mit den Risiken, die es im Hinblick auf das weltweite Ölangebot gibt, wie beispielsweise die US-Sanktionen gegen den Iran, Produktionsausfälle oder auch eine sinkende Reservekapazität. Die Ende Juni von der OPEC und anderen Ölproduzenten beschlossene Produktionssteigerung sowie sich abzeichnende Faktoren, die die Nachfrageentwicklung beeinträchtigen könnten hätten eine noch stärkere Anhebung der Preisprognosen verhindert, so die Analysten. Als Risiken für die Nachfrageentwicklung sehen die Analysten die unterschiedliche Entwicklung der Bruttoinlandsprodukte. In der Eurozone und in Japan hätte das Wirtschaftswachstum beispielsweise die Erwartungen enttäuscht und auch in einigen Schwellenländern zeige sich eine schwächere Entwicklung. Außerdem könnte die Reduktion der Subventionen in einigen Ländern Lateinamerikas, Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens die Nachfrage dämpfen, so die Analysten.

02.07.18 - David Lennox von Fat Prophets schätzt den Ölpreis 2018 weiter bei 70 bis 80 Dollar ein. Der Ölpreis handelt derzeit bereits innerhalb dieser Spanne, weshalb er nicht davon ausgehe, dass sich die Preise noch einmal besonders stark nach oben oder unten bewegen werden. Als stützende Faktoren nennt Lennox die Produktionsausfälle in Venezuela, Libyen und Iran, mit denen das Angebot knapper geworden ist. In den USA hingegen wird die Ölförderung weiter zunehmen und auch die OPEC steigert nach ihrer Ankündigung beim letzten Meeting die Versorgung. Alles in allem halten sich diese Einflüsse in Balance, sodass die Preise relativ stabil bleiben müssten.

25.06.18 - Trotz der OPEC Entscheidung von letzter Woche geht man bei der Investmentbank Jefferies davon aus, dass die Ölpreise in der zweiten Jahreshälfte 2018 anziehen werden. Die hauseigene Ölpreisprognose ergebe ein Preisniveau für die europäsiche Ölsorte Brent von über 80 US-Dollar, so Analyst Jason Gammel. Auch bei der Bank of America Merrill Lynch sieht man die Marktbedingungen bullish. Bis zum zweiten Quartal 2019 könnte Brent sogar in Richtung 90 US-Dollar anziehen, so deren Prognose. Dabei spielen allerdings mehrere Faktoren eine Rolle, die noch eine gewisse Unsicherheit in sich bergen. Die Bank of America Merrill Lynch nennt hier insbesondere die Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran sowie den Effekt auf das Wirtschaftswachstum durch den Handelsstreit zwischen USA und China bzw. der EU. Die Bank of America Merrill Lynch schätzt, dass für jedes Prozent, dass der globale Handel abnehme, die Ölnachfrage um -44.000 Barrel pro Tag sinkt.

Bei Goldman Sachs hat man eine leicht andere Einschätzung der Situation und erwartet, dass sich der Ölpreis mit der Entscheidung der OPEC nun stabilisiere. Analyst Brian Singer nennt für Brent eine Spanne von 70 bis 80 US-Dollar, die nicht nur in der zweiten Jahreshälfte 2018 sondern auch bis Ende 2019 gültig bleiben sollte. Die globale Nachfrage sei stark und freiwillige sowie unfreiwillige Produktionskürzungen werde es weiterhin geben. Auch mit der Produktionssteigerung in den USA werden die Bestände der OECD in Summe vermutlich bis Ende 2019 weiter auf Normalniveau oder leicht darunter liegen, so das Fazit des Goldman Analysten Brian Singer.

11.06.18 - Die Analysten bei JP Morgan haben ihre Ölpreisprognose für den Durchschnittspreis der Sorte Brent für 2018 unverändert bei 69,30 US-Dollar belassen. Bei der US-Sorte WTI hat man allerdings die letzte Vorhersage um -3 auf nun 62,20 US-Dollar gekürzt, was vor allem an der steigenden US Ölproduktion liegt. Für das nächste Jahr sieht man die Preisniveaus bei Brent und WTI niedriger als im laufenden Jahr. Für die europäische Referenzsorte haben die Investmentbänker ihre bisherige Vorhersage um -1 US-Dollar auf nun 63 US-Dollar reduziert und WTI sieht man 2019 nun bei einem Durchschnittspreis von 58,25 US-Dollar. Die vorgegebenen Preisniveaus, sowohl für das laufende als auch das kommende Jahr, liegen damit deutlich unter den aktuell an den Börsen gehandelten Preisen. Geopolitische Risiken und große Ausfälle im Angebot würden zwar weiterhin ein Aufwärtsrisiko in der zweiten Jahreshälfte darstellen, allerdings sollten die Preise zum Jahresende wieder nach unten korrigieren und auch in 2019 begrenzt bleiben. Momentan würde der Markt eine Produktionssteigerung der Länder, die seit Anfang 2017 ihre Produktion freiwillig gekürzt hatten, um etwa 400.000 Barrel pro Tag einpreisen. Eine Lockerung der Produktionskürzung wäre allerdings ein Signal an den Markt, dass die Förderung der betroffenen Länder wieder auf das Niveau von vor 2017 ansteige. Der knapp ausgeglichene Markt würde sich zum vierten Quartal dann wieder in Richtung Überversorgung bewegen, wenn die zusätzlichen Mengen an den Importterminals der Abnehmer ankommen, so das Fazit.

05.06.18 - Eine Umfrage unter 12 Investmentbanken hat ergeben, dass diese ihre monatliche Prognose für die führenden Ölsorten Brent und WTI nach oben korrigiert haben. Bei der letzten Befragung hatten diese den Durchschnittspreis für Brent in diesem Jahr noch bei etwa 64 US-Dollar eingeschätzt und WTI bei ca. 60 US-Dollar gesehen. Nun wurden beide Einschätzungen um etwa +6 US-Dollar nach oben korrigiert. Die befragten Investmentbänker sehen Brent daher im Jahresmittel nun bei etwa 70 US-Dollar und WTI bei ca. 64 US-Dollar.

31.05.18 - Bei einer Umfrage unter 36 Ökonomen und Analysten hat sich gezeigt, dass diese den Durchschnittspreis für Brent für das Gesamtjahr nun über +4 US-Dollar höher einschätzen, als noch im letzten Monat. Hatte man im April den Durchschnittspreis noch auf 67,40 US-Dollar getippt, so rechnen die Befragten nun durchschnittlich mit einem Preis von 71,68 US-Dollar für 2018. Auch wenn einige große Ölproduzenten aktuell mit dem Gedanken spielen die Förderung anzuheben, was die Preise an den Rohstoffbörsen ICE und NYMEX sicherlich belasten würde, so gehen die von Bloomberg befragten Analysten davon aus, dass der Durchschnittspreis für Rohöl im Gesamtjahr 2018 bei 71,68 US-Dollar landen wird. Im Vergleich zur Schätzung im letzten Monat ist dies eine Steigerung der Erwartung um über +4 US-Dollar. Damals sah man Brent noch bei etwa 67,40 US-Dollar. Behalten die Analysten also recht, wird sich der Preis noch etwas nach unten orientieren müssen und sich irgendwo knapp oberhalb der 70 US-Dollar einpendeln. Als Grund für die Preissteigerungen führen die Experten die unerwarteten Produktionsausfälle in Venezuela sowie die US Sanktionen gegen Venezuela und den Iran ins Feld. Diese könnten die bereits stark gesunkenen Ölbestände weiter unter Druck setzen.

25.05.18 - Der Preisanstieg in diesem Jahr bedeutet für viele Produzenten, dass sie wieder verstärkt in ihre Förderung investieren können. Vor allem in Ländern wie USA, Brasilien und Kanada könnte die Produktion deutlich zunehmen, da sich diese den Produktionskürzungen der OPEC nicht angeschlossen hatten. Die Ölförderung ist wieder deutlich rentabler geworden, was in der Folge Kapital anzieht. Zwar sind auch die Kosten für die Produktion gestiegen, jedoch bei weitem nicht so schnell wie der erzielbare Ölpreis am internationalen Markt. Einer Analyse von Bernstein Energy zu Folge, brauchen die 50 größten börsengehandelten Ölfirmen einen Ölpreis von etwa 47 US-Dollar, um profitabel Rohöl zu fördern. Bei Preisen von etwa fast 80 US-Dollar für die Ölsorten Brent und etwas über 70 US-Dollar für WTI ist die Profitabilität in der Branche unbestritten hoch.

24.05.18 - Geht es nach den Experten bei Stratas Advisors, ist der Ölpreis derzeit überhitzt und verlangt nach einer Preiskorrektur. Man rechne mit einer solchen Korrektur im Laufe des Jahres, wenn der Markt realisiert, dass die Preise zu stark gestiegen seien. Man sehe die aktuell Stimmung getriebene Rallye nicht als nachhaltig an, zumal viel von geopolitischen Risiken herrührt, die eventuell etwas aufgebauscht wurden. Mit einer Korrektur um -20 US-Dollar rechnen aber auch die Analysten bei Stratas Advisors nicht. Vielmehr werde es sich vermutlich um eine Abwärtsbewegung von etwa -4 bis -5 US-Dollar handeln, so das Fazit.

22.05.18 - Die Analysten bei Evercore gehen davon aus, dass sich an den Ölbörsen ein langfristiger Aufwärtstrend etablieren wird. Das globale Wirtschaftswachstum bleibt positiv und die Treibstoffpreise erschwinglich. Die höheren Preise an den Börsen werden der Nachfrage daher nicht wesentlich schaden, sodass diese weiter steigen wird. Für die Experten bedeutet dies schließlich, dass auch die Preise weiter zulegen. Ende 2020 werde Brent daher etwa 90 US-Dollar kosten. Ende 2019 werden es 80 US-Dollar sein und für Ende 2018 geht man von einem Preis von 75 US-Dollar aus. Auch wenn dies einen langfristigen Aufwärtstrend darstellt, so liegt der für Ende 2018 erwartete Preis unterhalb des aktuellen Preisniveaus von knapp 80 US-Dollar. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Evercore das Aufwärtspotenzial vom aktuellen Preisniveau aus als begrenzt ansieht.

18.05.18 - Die Analysten der Barclays Bank rechnen mittlerweile für 2018 mit einem höheren Durchschnittspreis der Rohölsorte Brent als zuvor. Der Produktionsrückgang in Venezuela, die Entscheidung Donald Trumps hinsichtlich US-Sanktionen gegen den Iran, neuerliche Angebotsausfälle in Nigeria und Schlüsse, die sich aus einer weiteren Runde von Geschäftszahlen der Ölproduzenten schließen ließen, erforderten der Bank zufolge eine Anpassung der Preisprognosen. Mittlerweile geht man bei Barclays davon aus, dass der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent 2018 im Durchschnitt bei 70 US-Dollar liegen dürfte. Bislang rechnete man mit 63 US-Dollar. Im kommenden Jahr dürfte Brent durchschnittlich 65 US-Dollar pro Barrel kosten. Damit erhöhte die Bank ihre bisherige Prognose für 2019 um +5 US-Dollar.

17.05.18 - Die Experten bei Morgan Stanley gehen davon aus, dass der Rohölpreis der Nordseesorte Brent bis 2020 auf ein Durchschnittsniveau von 90 US-Dollar ansteigt. Damit korrigieren die Experten ihre bisherige Prognose von bisher 65 US-Dollar massiv nach oben. Als Grund nennen sie den wachsenden Bedarf an Diesel und Kerosin. Da auch der Schiffsverkehr bis 2020 auf saubereren Treibstoff umsteigen muss, wird der Bedarf schnell ansteigen und die Raffinerien werden ihre Probleme haben die zusätzliche Nachfrage abzudecken. Letztlich werde man bis 2020 etwa 5,7 Mio. Barrel pro Tag zusätzlich an Rohöl benötigen, doch das wird wohl kaum passieren. Entsprechend werde der Preis deutlich anziehen müssen. Im ersten Halbjahr 2019 geht man von einem Durchschnittspreis von 80 US-Dollar für Brent aus, bevor die europäische Referenzsorte 2020 dann schließlich im Jahresmittel etwa 90 US-Dollar kosten soll. Die US-Sorte WTI wird günstiger bleiben und mit einem Preisabschlag von etwa -7 US-Dollar zu Brent gehandelt werden, so die Prognose.

Die niederländische Großbank ING hat angesichts der jüngsten Entwicklungen ihre Preisprognosen für die Rohölsorten Brent und WTI deutlich nach oben angepasst. Die geopolitischen Risiken hätten deutlich zugenommen und die fundamentale Entwicklung im Markt sei bullish. Brent kletterte damit auf über 70 US-Dollar, weshalb man nun als Konsequenz auch die eigenen Preisprognosen deutlich anpasse. Im Jahresdurchschnitt 2018 sehen die ING Analysten Brent nun bei 66,50 US-Dollar, was eine deutliche Korrektur um +6,25 US-Dollar nach oben entspricht. Auch bei der Sorte WTI sieht man den Durchschnittspreis nun bei 62,50 US-Dollar, nachdem man die Rohölsorte zuletzt noch bei 57,75 US-Dollar erwartete. Für beide Rohölsorten ist dies eine Aufwärtskorrektur um etwa 10 Prozent. Im kommenden Jahr hingegen gehen die Analysten der Bank davon aus, dass die Preise wieder unter diesen Niveaus liegen werden. Die US-Rohölförderung ist seit Mitte 2016 jedes Quartal gestiegen und hat neue Rekordhochs erreicht. Diese Entwicklung werde sich nach Ansicht der ING weiter fortsetzen und damit auch die Preisniveaus in 2019 wieder belasten.

Der Experte Stephen Shork glaubt, dass die Ölpreise in diesem Jahr über den Niveaus des Vorjahres liegen werden, allerdings nicht mehr ganz so hoch wie noch im Januar. Hatten sich für die meiste Zeit im letzten Jahr noch eine Preisspanne von 45 bis 55 US-Dollar etabliert, so rechnet Shork in diesem Jahr nun mit einer Preisspanne, die etwa 10 US-Dollar höher liegen soll. Die Obergrenze gibt er mit etwa 65 US-Dollar an und nach unten wird der Widerstandsbereich bei 55 US-Dollar vermutlich als Unterstützung dienen. Abwärtsbewegungen bis auf 50 US-Dollar schließt er aber auch nicht aus. Für Shork sind höhere Preise wegen der rasant wachsenden US-Ölproduktion nicht vorstellbar. Die Förderung in den USA werde die Produktionskürzungen weitestgehend ausgleichen, ähnlich wie sie es auch schon von November 2016 bis November 2017 gelang. Basierend auf den neuesten Zahlen der EIA sei die US-Ölförderung in diesem Zeitraum um 7% stärker gewachsen als die OPEC mit ihren Kürzungen vom Markt genommen hatte. Und in diesem Jahr soll die Ölförderung weiter kräftig zulegen.

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs haben ihre Preisprognosen am 01.02.18 für die Ölsorte Brent deutlich angehoben. Hatte man bisher noch damit gerechnet, dass sich der Preis der Nordsee-Rohölsorte im ersten Quartal 2018 durchschnittlich auf 62 US-Dollar pro Barrel belaufen würde, geht man nun von einem Durchschnittspreis von 75 US-Dollar pro Barrel aus. Für das erste Halbjahr 2018 erwartet man einen Preis von durchschnittlich 82,50 US-Dollar pro Barrel, was einer Aufwärtskorrektur von +7,50 US-Dollar pro Barrel entspricht. Die Analysten begründen die Korrektur der Prognosen mit der starken Nachfrage nach Kraftstoffen, den Förderkürzungen der OPEC (und anderer Ölproduzenten) sowie dem starken Rückgang der Ölproduktion Venezuelas. Diese Faktoren hätten laut einem Bericht der Goldman Sachs Analysten Damien Courvalin und Jeff Currie dazu beigetragen, dass ein Überangebot am Ölmarkt bereits sechs Monate früher abgebaut worden sei als erwartet.

Immer wieder meldeten sich dieses Jahr Experten zu Wort, die den Markt als überhitzt ansehen und mit einer Korrektur rechnen. Am 06.02.18 mahnte Ole Hansen von der Saxo Bank, dass Brent zwischen 10% und 15% einbrechen könnte, sobald die Ölbestände wieder ansteigen und die saisonale Nachfrage nachlasse. Auch Norbert Rücker, von Julius Baer, hält einen derartigen Preisrückgang für möglich. Stimmungszyklen seien eine eher kurzfristige Angelegenheit und aktuell zeichne sich ein Wendepunkt des aktuellen Zyklus ab. Normaler Weise würden die Ölpreise um mehr als 10% nachgeben, wenn sich eine bullishe Stimmung abkühle. Ähnlich schätzen auch die Experten der Energy Information Administration (EIA) die Konstellation ein. Zwar hatten diese die Ölpreiserwartung für 2018 im aktuellen Monatsreport nach oben korrigiert, dies beruht allerdings in erster Linie auf den hohen Preisen zum Jahreswechsel. Der Durchschnittspreis für Brent wird im ersten Quartal mit 67,35 US-Dollar angegeben, soll dann im zweiten und dritten Quartal aber auf 62,33 bzw. 62,00 US-Dollar fallen. Dies entspräche einer Korrektur um ca. 8%. Ein weiteres Schwergewicht im Markt, das mit einer Korrektur rechnet, ist die UBS. Hier gehen die Analysten von steigenden US-Ölbeständen in den kommenden Wochen aus, während parallel die US Ölproduktion zunehmen sollte.

Die Analysten der Bank of America Merill Lynch haben die Mitte Marktlage Januar 2018 neu bewertet und in der aktuellen Preisrallye ihre Prognosen für die Ölsorten Brent und WTI stark nach oben korrigiert. Das Angebot/Nachfrage-Verhältnis verknappe sich schneller als bisher gedacht. Dies liege an besseren globalen Konjunkturbedingungen, kaltem Winterwetter in den USA und einer strikten Einhaltung der Produktionskürzungen durch OPEC und Nicht-OPEC Länder. Für das laufende Jahr sieht man nun eine durchschnittliche Unterversorgung von etwa 430.000 Barrel pro Tag auf den Markt zukommen, während man zuvor noch mit einem Defizit von nur 100.000 Barrel pro Tag gerechnet hatte. Entsprechend dieser knapper als bisher erwarteten Marktlage rechnet man mit einem Durchschnittspreis für Brent von 64 US-Dollar in 2018, was eine Korrektur von +8 US-Dollar zur letzten Einschätzung ist. WTI korrigiert man ebenfalls um +8 US-Dollar von 52 auf 60 US-Dollar nach oben.

Die Analysten der französischen Großbank BNP Paribas rechnen damit, dass ein positiver Wirtschaftsausblick und die zuletzt kalten Temperaturen in den USA der OPEC behilflich sein wird die Bestände in Richtung des fünf Jahre Durchschnittsniveaus zu drücken. Für 2018 sei der Marktausblick allerdings dennoch in etwa ausgeglichen, wobei die Vorräte zum Ende des Jahres, im vierten Quartal, wohl wieder steigen werden. Verantwortlich für diesen Effekt dürfte wohl die zunehmende Ölförderung aus den USA und anderen Ländern sein, wenn diese ihre Produktion bei dem momentan hohen Ölpreis ausbauen. Letztlich rechnet die Bank im laufenden Jahr mit einem Durchschnittspreis von 60 Dollar für die Ölsorte WTI und mit 65 US-Dollar für Brent, was einer Aufwärtskorrektur der letzten Preiseinschätzung um etwa +10 US-Dollar entspricht.

Analysten von Energy Aspects gehen davon aus, dass die US-Schieferölproduktion alleine nicht ausreichen wird, um die Preise wieder nennenswert unter Druck zu setzen. Die Welt brauche deutlich mehr Öl als die USA bieten könne, so deren Hinweis. Die fundamentale Ausgangslage weise daraufhin, dass die Preise über 50 US-Dollar bleiben könnten, so das Fazit. Eine andere Einschätzung haben dahingehend die Analysten der Bank Julius Bär. Hier sieht man nach der guten Sommernachfrage einen saisonalen Rückgang des globalen Ölbedarfs zum Herbst und Winter. In der Regel ist die Nachfrage im vierten Quartal zunächst leicht rückläufig und fällt im ersten Quartal noch einmal deutlich. In Verbindung mit der wachsenden Ölproduktion in den USA und möglicherweise steigenden Exporten der OPEC, wenn deren saisonal hoher Eigenbedarf der Sommermonate abflaut, könnte sich der aktuelle Trend umkehren. Bei Julius Bär glaubt man daher, dass die Preise mehr Abwärts- als Aufwärtsspielräume haben und empfiehlt eine taktische Short-Position für den März 2018 Kontrakt. Eine ähnliche Einschätzung hat man auch bei Macro Risk Advisors. Analyst Chris Kettenmann glaubt, dass man bei Preisen von über 50 US-Dollar einen überversorgten Markt generiert, weshalb er zur Vorsicht rät und bei steigenden Preisen selber Verkaufspositionen eröffnet.

usdollar.jpg

Verhältnis Ölpreisentwicklung zu Heizölpreisen
Fallende Rohölpreise bedeuten übrigens nicht immer auch gleichzeitig fallende Heizölpreise im Euroraum. Sinkende Notierungen für Rohöl stehen in der Regel im Einklang mit einem steigenden US-Dollar bzw. (siehe Beispielgraphik rechts) einem fallenden Eurokurs. Da Rohöl an den internationalen Rohstoffmärkten in US-Dollar gehandelt wird, bewirken sinkende Rohölpreise somit nur teilweise einen günstigeren Heizölpreis. Ein fallender US-Dollarkurs sorgt andersherum für einen günstigen Wechselkurs in "Nicht-US-Dollar-Ländern" und somit zu einer höheren Nachfrage nach "günstigerem" Öl, was wiederum in der Folge zu steigenden Ölpreisnotierungen führt. Spekulanten nutzen den Rohstoff Öl oftmals als Hedge (Sicherungsgeschäft), um sich vor Währungsverlusten des US-Dollars und möglichen Inflationsgefahren in den USA zu schützen. Daher stehen kräftige Kursverluste des US- Dollars gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung traditionell im Einklang mit steigenden Ölpreisnotierungen. 

Fundamentale Rahmendaten
Für bullishe Kaufimpulse an den Märkten sorgen wiederkehrende Anschläge militanter nigerianischer Rebellen auf Öleinrichtungen im eigenen Land. Nigeria produziert aufgrund von vorkommenden Kampfhandlungen nur die Hälfte der möglichen Gesamtkapazität von 3,2 Mio. Barrel pro Tag. Das größte Ölförderland Afrikas verfügt mit geschätzten 36 Milliarden Barrel Ölreserven über besonders hochwertiges Rohöl der Sorte Bonny Light, welches sich auch sehr gut für die Weiterverarbeitung in Destillate wie Heizöl und Diesel eignet.

Für steigende Preise sorgen jedes Jahr auch Sturmaktivitäten im Golf von Mexiko sowie im atlantischen Becken im Zeitraum von Anfang Juni bis Ende November eines jeden Jahres. In den vergangenen Jahren hatten Wirbelstürme im Spätsommer und Herbst teilweise (Sturm Katrina) verheerende Schäden an der mexikanischen und US-amerikanischen Ölinfrastruktur verursacht und dadurch die Ölpreise auf damalige Allzeithochs getrieben. Laut Meteorologen der Colorado State University könnte die Aktivität in 2018 überdurchschnittlich sein, so die Experten. Man erwartet 14 Stürme, die stark genug sind mindestens zu einem Tropensturm heranzuwachsen. Hiervon sollen 7 Hurrikanstärke erreichen und wiederum 3 würden mindestens Kategorie 3 erreichen. Diese Einschätzung gilt für alle Stürme im Atlantik während der Saison. Wo diese genau diese auftreten und wie hoch die Gefahr für US-Ölanlagen ist, kann hierbei nicht gesagt werden. Trifft die Prognose zu, so wäre die diesjährige Saison zwar leicht über dem Durchschnitt, jedoch etwas ruhiger als im letzten Jahr. 2017 gab es insgesamt 17 Stürme, die mindestens die Stärke eines Tropensturms erreicht hatten. Hieraus entwickelten sich 10 Hurrikans, von denen 6 mindestens Kategorie 3 oder höher erreichten. Die letztjährige Hurrikan Saison hatte zum Teil erheblichen Einfluss auf die US-Ölanlagen im Golf von Mexiko sowie auf die Raffinerien im Süden der USA. Die Vorhersagen der Meteorologen sind dabei allerdings in der Regel nicht unbedingt sehr verlässlich, wenngleich der Markt solche Meldungen natürlich gerne aufnimmt.

Neue Marktimpulse, ausgehend von der Angebots- und Nachfragesituation, versprechen sich Experten von der wöchentlichen Veröffentlichung der jeweils neuesten US-Lagerbestandsdaten, die i.d.R. jeden Mittwochnachmittag (16:30 Uhr-MEZ) durch die US-Energiebehörde „Department of Energy“ (DoE) bekannt gegeben werden. Unter den zahlreichen statischen Daten wie z.B. die prozentuale Auslastung der US-Raffinerien stehen insbesondere die Entwicklung der Bestände an Rohöl, Benzin und die der Destillate, dazu zählen Heizöl und Dieselkraftstoff, im Fokus des Marktgeschehens. Hierbei gilt es auch saisonale Gegebenheiten zu berücksichtigen, so u.a. während der US-amerikanischen Sommerferien. In der sog. „driving season“ steigt aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens die Nachfrage nach Benzin dermaßen an, dass die Produktion von Destillat-Produkten wie Heizöl gedrosselt wird. Die „driving season“ beginnt und endet mit den US-Feiertagen Memorial Day (31. Mai) und Labor Day (06. September). 

Im Fokus des Marktgeschehens bleibt auch die Einstellung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die für ca. 40 Prozent des weltweiten Ölangebots verantwortlich sind. Allerdings wird die OPEC wohl langfristig noch weiter an Bedeutung verlieren, da Staaten wie Russland, Irak, Libyen, Iran und vor allem die USA die eigene Produktion (z.B. Schiefervorkommen) kräftig steigern. Es besteht immer die Möglichkeit, dass das Kartell Anpassungen seiner offiziellen Förderpolitik bzw. Kürzungen der täglichen Fördermengen vornehmen wird. Allerdings könnten solche Ausstoßkürzungen bzw. Verknappungen auf der Angebotsseite der täglichen Fördermenge die Weltwirtschaft lähmen, was eine sinkende Nachfrage zur Folge hätte. Im Übrigen besteht für die einzelnen OPEC-Mitglieder immer eher ein Anreiz (inoffiziell) mehr zu produzieren, um die Öleinnahmen (und damit die eigenen Haushalte) überhaupt noch stabil halten zu können. Experten schätzen die Einhaltung der festgesetzten Gesamtquote auf nur etwa 55-60 Prozent.

* West Texas Intermediate (WTI) ist die weltweit am stärksten nachgefragte Rohölsorte mit geringem Schwefelgehalt (Light Sweet Crude). Der NYMEX Light Sweet Crude Future ist der meistgehandelte Rohstoffkontrakt der Welt.

Weitere Informationen über die Ölpreisbildung
Der Mineralölwirtschaftsverband aus Hamburg hat eine Broschüre im PDF-Format bereitgestellt, in der ein kurzer Blick auf die Entwicklung (Einflussfaktoren & Ölpreisbildung) des Ölmarktes geworfen wird.