Ölpreisprognose 2016 & Ölpreisentwicklung

Viele "Ölpreis-Experten" überbieten sich immer wieder zu gegenseitig mit ihren Prognosen und liegen am Ende dann auch oftmals daneben bzw. müssen Ihre Prognosen lediglich and die aktuelle Preisentwicklung anpassen. Als Endverbraucher steht man auf der anderen Seite nur staunend vor all den Zahlen und stellt sich die Frage, was man nun glauben soll und was nicht. Der folgende Inhalt soll Ihnen als Leser einen Überblick über zusammengetragenen Ölpreisprognosen und fundamentale Rahmendaten bieten. Vielleicht hilft Ihnen hier die eine oder andere Aussage für Ihre eigene persönliche Entscheidung für einen Einkauf von z.B. Heizöl zu einem bestmöglichen Heizölpreis in Hamburg.

Da man mittlerweile davon ausgeht, dass die Nachfrage sich im laufenden Jahr gut entwickeln wird und der Markt sich (laut den meisten Prognosen) bis Ende 2016 wieder ausgleichen wird, haben Analysten mehrerer Großbanken laut einer Umfrage des Wall Street Journals ihre Preisprognosen für die führenden Ölsorten Brent und WTI erneut angehoben. Im Schnitt korrigierte man die Ölpreisprognosen für Brent für das laufende Jahr um 2 US-Dollar auf 43 US-Dollar je Barrel. Die Prognosen für WTI liegen im Durchschnitt für 2016 nun bei 41 US-Dollar. 2017 soll ein Barrel der US-Rohölsorte dann 55 US-Dollar pro Barrel kosten. Im letzten Quartal 2016 dürfte Rohöl den Experten zufolge etwa 48 US-Dollar pro Barrel kosten. Hier war man zuvor von einem Preis von 47 US-Dollar ausgegangen. Anfang des Jahres hatten die Analysten ihre Preisprognosen noch gesenkt, da man eine schwache Ölnachfrage aus China befürchtete, während der Rohölmarkt immer noch einen Überschuss aufwies. Der Rückgang der US-Rohölförderung unter 9 Mio. Barrel pro Tag sowie unerwartete Produktionsausfälle in Kanada und Nigeria schickten die Preise jedoch wieder deutlich nach oben.

Allerdings warnen Analysten wie Michael Wittner von der Société Générale auch davor, dass die OPEC mit den wieder etwas höheren Preisen wieder weniger Anreiz dazu haben dürfte, ihre Produktionsstrategie beim nächsten OPEC-Treffen zu ändern. Wie erhofft, konnte das Kartell mit seinem hohen Angebot an Rohöl andere Produzenten mit höheren Produktionskosten (wie vor allem bei der Schieferölproduktion) zumindest teilweise verdrängen. Laut den Experten von Citigroup könnte die US-Schieferölproduktion jedoch ab einem Preis von 50 US-Dollar pro Barrel wieder rentabel werden. Die jüngste Preisrally könnte das Angebot an US-Rohöl daher wieder um 400.000 Barrel pro Tag oder mehr anziehen lassen. Darüber hinaus könnte auch die Wiederaufnahme der Produktion in Kanada und Nigeria vor einem dauerhaften Preisanstieg noch einmal für einen kleinen Dämpfer sorgen.

Fallende Ölpreise bzw. fallende Heizölpreise wären hier eine natürliche Folge auf kurz- bis mittelfristige Sicht. Durch die niedrigen Ölpreise sinken allerdings auch die Investitionen der Ölförderländer als auch die der Ölkonzerne in die Öl-Infrastruktur, so dass hier ein Investitionsstau droht. In der Zukunft könnte der Ölpreis dann bei anziehender Nachfrage nach dem (ehemals) schwarzen Gold mangels aktiver Anbieter und maroder Infrastruktur der Ölpreis möglicherweise wieder ansteigen.   

Eine Auswahl von aktuellen Ölpreisprognosen mit Nachfrageentwicklung
-Mit der Preisrallye seit Mitte Februar hat Goldman Sachs seine Markteinschätzung im Mai überdacht und seine bisherigen Preisprognosen nach oben angepasst. Ging man bei Brent bisher von einem Durchschnittspreis von 39 US-Dollar für 2016 aus, so hat man diese Prognose nun auf 45 US-Dollar angehoben. Bei WTI passte man die Erwartung von 38 US-Dollar auf ebenfalls 45 US-Dollar an. Die Experten bei Goldman Sachs rechnen in der Zukunft allerdings mit weiteren Produktifitätssteigerungen in der Ölförderung. Bis 2020 werde die Schieferölproduktion weitere Fortschritte machen, sodass der Breakeven-Preis für Schieferöl in den USA auf unter 50 US-Dollar sinken werde.

-Die Experten der Citigroup haben ihre Ölpreisprognosen Ende Mai 2016 ebenfalls nach oben korrigiert. Hier rechnet man damit, dass Brent im dritten Quartal 50 US-Dollar kosten wird, während man einen weiteren Preisanstieg auf über 60 US-Dollar nicht mehr für ausgeschlossen hält. Die Analysten bei der Citigroup rechneten zuletzt nicht damit, dass Brent vor dem vierten Quartal auf 50 US-Dollar steigt. Nun hat man die eigene Prognose angepasst und geht davon aus, dass die europäische Referenzsorte im dritten Quartal 50 US-Dollar kosten wird. Diese Einschätzung sei sogar noch pessimistisch und es ist davon auszugehen, dass die neue Einschätzung eher zu niedrig als zu hoch angesetzt sei, heißt es. Als Grund für die Korrektur nennt man die Kosten der Produktion. Bei Preisen von unter 40 USDollar können Produktionsausfälle einfach nicht kompensiert werden. Die Preise sähen vielmehr so aus, als ob sie sogar auf über 60 US-Dollar steigen könnten, so die insgesamt überraschend bullishe Einschätzung der Citigroup.

-Nachdem die Ölpreise die 50 Dollar erreicht haben stellt sich die Frage, wo es nun hingeht. Die UBS sieht aus fundamentaler Sicht Argumente für eine Korrekturbewegung.Die OPEC wird sich bei ihrem Meeting in Wien Anfang Juni wohl nicht auf eine Produktionsbegrenzung einigen können, so die Erwartung der UBS Analysten. Ohne auf die Konkurrenz zwischen den Ländern und die Pläne des Iran einzugehen, haben die Mitglieder des Kartells auch preislich keinerlei Anlass die Förderung zu drosseln. Die Preise steigen in den letzten Monaten auch ohne eine Intervention. Mit Niveaus, die man schon seit 7 Monaten nicht mehr hatte, werden die Öl produzierenden Länder eher versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen und so viel Cash-Flow wie möglich zu generieren und so viel fördern, wie sie nur können.Bei der Investmentbank UBS geht man davon aus, dass das Kartell seine Ölförderung nach dem Treffen in den Sommermonaten auf über 33 Mio. Barrel pro Tag steigern wird. Im April lag die Produktion laut IEA bei etwa 32,67 Mio. Barrel pro Tag. Zusammen mit der erwarteten Rückführung der Produktionsausfälle in Kanada und eventuell auch in Nigeria, würde die den Grundstein für eine erneute Überversorgung legen und könnte die Preise auf absehbare Zeit unter 40 US-Dollar drücken, so deren Fazit.

Historische Preisentwicklung von Rohöl der US-Sorte WTI (mit Zoomfunktion)

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Verhältnis Ölpreisentwicklung zu Heizölpreisen
Fallende Rohölpreise bedeuten übrigens nicht immer auch gleichzeitig fallende Heizölpreise im Euroraum. Sinkende Notierungen für Rohöl stehen in der Regel im Einklang mit einem steigenden US-Dollar bzw. (siehe Beispielgraphik rechts) einem fallenden Eurokurs. Da Rohöl an den internationalen Rohstoffmärkten in US-Dollar gehandelt wird, bewirken sinkende Rohölpreise somit nur teilweise einen günstigeren Heizölpreis. Ein fallender US-Dollarkurs sorgt andersherum für einen günstigen Wechselkurs in "Nicht-US-Dollar-Ländern" und somit zu einer höheren Nachfrage nach "günstigerem" Öl, was wiederum in der Folge zu steigenden Ölpreisnotierungen führt. Spekulanten nutzen den Rohstoff Öl oftmals als Hedge (Sicherungsgeschäft), um sich vor Währungsverlusten des US-Dollars und möglichen Inflationsgefahren in den USA zu schützen. Daher stehen kräftige Kursverluste des US- Dollars gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung traditionell im Einklang mit steigenden Ölpreisnotierungen. 

Fundamentale Rahmendaten
Für bullishe Kaufimpulse an den Märkten sorgen wiederkehrende Anschläge militanter nigerianischer Rebellen auf Öleinrichtungen im eigenen Land. Nigeria produziert aufgrund von vorkommenden Kampfhandlungen nur die Hälfte der möglichen Gesamtkapazität von 3,2 Mio. Barrel pro Tag. Das größte Ölförderland Afrikas verfügt mit geschätzten 36 Milliarden Barrel Ölreserven über besonders hochwertiges Rohöl der Sorte Bonny Light, welches sich auch sehr gut für die Weiterverarbeitung in Destillate wie Heizöl und Diesel eignet.

Für steigende Preise sorgen jedes Jahr auch Sturmaktivitäten im Golf von Mexiko sowie im atlantischen Becken im Zeitraum von Anfang Juni bis Ende November eines jeden Jahres. In den vergangenen Jahren hatten Wirbelstürme im Spätsommer und Herbst teilweise (Sturm Katrina) verheerende Schäden an der mexikanischen und US-amerikanischen Ölinfrastruktur verursacht und dadurch die Ölpreise auf damalige Allzeithochs getrieben.

Neue Marktimpulse, ausgehend von der Angebots- und Nachfragesituation, versprechen sich Experten von der wöchentlichen Veröffentlichung der jeweils neuesten US-Lagerbestandsdaten, die i.d.R. jeden Mittwochnachmittag (16:30 Uhr-MEZ) durch die US-Energiebehörde „Department of Energy“ (DoE) bekannt gegeben werden. Unter den zahlreichen statischen Daten wie z.B. die prozentuale Auslastung der US-Raffinerien stehen insbesondere die Entwicklung der Bestände an Rohöl, Benzin und die der Destillate, dazu zählen Heizöl und Dieselkraftstoff, im Fokus des Marktgeschehens. Hierbei gilt es auch saisonale Gegebenheiten zu berücksichtigen, so u.a. während der US-amerikanischen Sommerferien. In der sog. „driving season“ steigt aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens die Nachfrage nach Benzin dermaßen an, dass die Produktion von Destillat-Produkten wie Heizöl gedrosselt wird. Die „driving season“ beginnt und endet mit den US-Feiertagen Memorial Day (31. Mai) und Labor Day (06. September). 

Im Fokus des Marktgeschehens bleibt auch die Einstellung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die für ca. 40 Prozent des weltweiten Ölangebots verantwortlich sind. Allerdings wird die OPEC wohl langfristig noch weiter an Bedeutung verlieren, da Staaten wie Russland, Irak, Libyen, Iran und vor allem die USA die eigene Produktion (z.B. Schiefervorkommen) kräftig steigern. Es besteht immer die Möglichkeit, dass das Kartell Anpassungen seiner offiziellen Förderpolitik bzw. Kürzungen der täglichen Fördermengen vornehmen wird. Allerdings könnten solche Ausstoßkürzungen bzw. Verknappungen auf der Angebotsseite der täglichen Fördermenge die Weltwirtschaft lähmen, was eine sinkende Nachfrage zur Folge hätte. Im Übrigen besteht für die einzelnen OPEC-Mitglieder immer eher ein Anreiz (inoffiziell) mehr zu produzieren, um die Öleinnahmen (und damit die eigenen Haushalte) überhaupt noch stabil halten zu können. Experten schätzen die Einhaltung der festgesetzten Gesamtquote auf nur etwa 55-60 Prozent. Das aktuelle Hauptproblem der OPEC ist die Konkurrenz zwischen Saudi-Arabien, Russland, USA und Iran. Ohne eine koordinierte Kürzung lehnt Saudi-Arabien bisher eine Regulierung des Angebots ab, da man dadurch Marktanteile an andere Produzenten verlieren würde. Vor allem der Iran wird sich nicht an einer Produktionskürzung beteiligen, da man hier erst einmal die rasche Steigerung der Förderung plant. Nach Jahren der Sanktionen will das Land seine Produktion noch in diesem Jahr um mindestens 1 Million Barrel pro Tag steigern. Durch die Hinrichtung eines Klerikers in Saudi-Arabien ist die Stimmung zwischen Riad und Teheran seit Jahresbeginn allerdings auf einem neuen Tiefpunkt angelangt, sodass eine Einigung zwischen den beiden Ländern als sehr unwahrscheinlich gilt. Ohne diese ist eine koordinierte Produktionskürzung der OPEC jedoch nicht möglich.

* West Texas Intermediate (WTI) ist die weltweit am stärksten nachgefragte Rohölsorte mit geringem Schwefelgehalt (Light Sweet Crude). Der NYMEX Light Sweet Crude Future ist der meistgehandelte Rohstoffkontrakt der Welt.

Weitere Informationen über die Ölpreisbildung
Der Mineralölwirtschaftsverband aus Hamburg hat eine Broschüre im PDF-Format bereitgestellt, in der ein kurzer Blick auf die Entwicklung (Einflussfaktoren & Ölpreisbildung) des Ölmarktes geworfen wird.